Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Der Goldregen

Art: Märchen
AutorIn: unbekannt
Land: Japan
Sprecher: Tom Keymer

Irgendwo auf dem Lande lebte einmal ein alter Mann. Der ging eines Tages zur Stadt und kaufte sich dort einen alten, zersprungenen Topf. Er stülpte ihn sich auf den Kopf wie einen Hut und machte sich so auf den Heimweg. Wenn ihn unterwegs die Leute fragten: »Alter, was willst du denn mit dem alten Topf machen?«, sagte er nur: »Über meiner Badestube ist ein Loch im Dach, das will ich damit zudecken.«

Dies tat er dann auch. Bald darauf hatte er nachts einen merkwürdigen Traum. Er träumte, dass vom Himmel Goldstücke wie Regen herabfielen. Als er dann am nächsten Morgen in seinem Garten einen Baum pflanzen wollte und dazu ein Loch in die Erde grub, fand er dort einen irdenen Topf. Er hob den Deckel des Topfes ab und sah, dass er bis zum Rand mit grossen und kleinen Goldstücken gefüllt war.

Obwohl ihn der Glanz des vielen Goldes fast blendete, dachte er doch bei sich: »Das Gold, das ich im Traum gesehen habe, kam als Regen vom Himmel herab und nicht aus der Erde, dies hier ist also nicht für mich bestimmt.« Er setzte deshalb den Deckel wieder auf den Topf und schüttete wieder Erde darüber.

Dabei hatte ihn aber sein Nachbar beobachtet und belauscht. Der wunderte sich, was sein Nachbar da für Selbstgespräche mit sich führte, und sah durch einen Spalt im Zaun, dass der Alte irgend etwas in der Erde vergrub. Als der Alte dann wieder ins Haus gegangen war, stieg der neugierige Nachbar heimlich über den Zaun, schlich sich in den Garten und fand auch schnell die Stelle, die noch mit frischer Erde bedeckt war.

Als er dort grub, entdeckte auch er den Topf und dachte bei sich: »Aha, also diesen Topf hat der Alte hier vergraben.« Er hob den Deckel ab, um zu sehen, was in dem Topf sei. Da war dieser bis oben gefüllt mit giftigen Schlangen, die sich darin wanden und ringelten. Darüber geriet er in grosse Wut und beschloss, sich an dem alten Nachbar für diese Enttäuschung zu rächen.

Er nahm den Topf mit den Schlangen. Dann stieg er auf das Dach des Nachbarhauses. Dort nahm er den alten Topf weg, der das Loch im Dach verdeckte. Dann schüttete er die Schlangen aus dem Topf durch das Loch in das Haus des Alten. Dabei rief er laut: »Da komm und sieh dir das an!«

Der Alte, der nichtsahnend und ruhig sein Abendessen verzehrte, sah aber einen Regen von grossen und kleinen Goldstücken vom Dach in das Haus herniederprasseln. Er legte ruhig seine Ess-Stäbchen aus der Hand und sagte: »Ah, das ist geradeso, wie ich es im Traum gesehen habe. Diesmal kommt das Gold vom Himmel herab und ist daher für mich bestimmt.« Er freute sich darüber sehr, las die Goldstücke vom Boden auf und war nun ein reicher Mann, der seine Tage sorgenlos verbringen konnte.



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