Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Das gefundene Geld

Art: Märchen
AutorIn: unbekannt
Land: Japan
Sprecher: Tom Keymer

Zwei arme Leute waren ihrer Schulden wegen in Not. Eines Abends machten sie sich bei tiefer Dunkelheit heimlich davon. Als sie nun schon ziemlich lange auf der Flucht waren und allmählich der Tag anbrach, beruhigten sie sich schliesslich und wanderten unter allerlei Gesprächen weiter.

Der eine Mann sprach: »Wenn ich viel Geld finden würde, wüsste ich nicht, was tun!« Darauf sprach der andere Mann: »Wenn du so viel Geld findest, ist es natürlich klar, dass du es in zwei Teile teilst und auch mir davon abgibst!« Nun erwiderte der Erste: »Du bist ja schwachsinnig! Wenn ich es finde, ist es dann nicht selbstverständlich, dass es mir gehört? Ich bin nicht verpflichtet, mit dir zu teilen und dir etwas abzugeben!«

Da wurde der Andere zornig und schrie: »Obwohl wir nun einmal zusammen auf diese Reise gingen, willst du allen Gewinn für dich allein und deinem Reisegefährten gar nichts geben. Ist das recht? Aber du bist so geizig, dass du einem Hund oder einer Katze gleichst!«. Und er beschimpfte ihn. Der erste Mann ärgerte sich darauf sehr: »Was heisst Hund oder Katze? Sag es noch einmal!« So fingen sie einen grossen Streit an und begannen, aufeinander einzuschlagen.

Ein Wanderer aus der entgegengesetzten Richtung kam dazu. »Heda! Worüber regt ihr euch so auf? Beruhigt euch doch!« sprach er und trat trennend zwischen die beiden. »Was in aller Welt hat euch denn dazu veranlasst?« fragte er.

Obwohl sie darauf noch mehr aufbrausten, sprach der eine: »Wir machen zwar beide diese Reise. Doch will dieser Mensch das Geld, das er gefunden hat, auf keinen Fall mit mir teilen.« Der Andere entgegnete: »Was ich gefunden habe, gehört mir. Bin ich verpflichtet, einem anderen davon abzugeben?«

Da sprach der Erste: »Wenn das so ist, muss man dich als einen Mann bezeichnen, der kein Mitgefühl kennt. Obwohl wir Weggenossen sind, sagt er, dass er sein Glück ganz für sich allein haben will. Ist das recht?« Und wieder wollten sie aufeinander losgehen.

Der Wanderer aber rief: »Halt! Halt!« und hielt sie mit Mühe zurück. »Nun, ich will euren Streit gerecht entscheiden. Wieviel Geld ist es, das ihr gefunden habt? Und wo ist es? Gebt es heraus!« befahl er.

Da erklärten die beiden einstimmig »Wir haben es noch nicht gefunden!« — »Wie, ihr habt es noch nicht gefunden? Was seid ihr doch für Dummköpfe!« spottete da der Wanderer. Zuerst schämten sich die beiden und waren verlegen, nach einer Weile jedoch besserte sich ihre Stimmung, und zu dritt setzten sie als Freunde ihre Reise fort.



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