Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Der Hund und der Wolf

Art: Fabel
AutorIn: Aesop
Land: Griechenland
Sprecher: Tom Keymer

Es war in einem strengen Winter. Ein Wolf hatte schon seit Tagen vom Hunger geplagt den Wald durchzogen und nach Nahrung gesucht. Jeder Bissen hätte ihn erfreuen können, selbst der Rest einer verwesenden Maus, so ausgehungert war er. 
Ein mageres Hündchen lief ihm unvorsichtigerweise über den Weg. Es bibberte vor Furcht und Kälte. »Du kommst mir wie gerufen«, freute sich der Wolf und packte den ängstlichen Dreikäsehoch beim Fell. 

»Halt, halt, lieber Wolf, nicht so unüberlegt, siehst du denn nicht, wie ausgezehrt ich bin? Du musst dich ja vor mir ekeln!« »Quatsch keinen Unsinn, ich bin nicht wählerisch«, knurrte der Wolf verärgert. 

»Du bringst dich um den besten Bissen deines Lebens!« kläffte das Hündchen. »Du müsstest mich erst einmal sehen, wenn ich morgen von den unzähligen Köstlichkeiten des Hochzeitsmahls gefressen habe. Morgen werde ich wohlgenährt sein und strotzen vor Fett. Denn dann heiratet die Tochter meines Herrn einen steinreichen Gutsbesitzer. Speisen gibt es dort, Speisen!  Feinster Rehbraten, würziger Schinken, Kalbsnieren und Hammelkeulen, Rindsbraten und duftende Mettwürste!«

Der pfiffige Köter machte dem Wolf den Mund wässrig mit einer endlosen Aufzählung auserwählter Leckereien. »Das wäre ein Essen für dich«, schloss er seine Schilderung, »und nicht meine miese Figur von heute. Komm morgen Nacht auf unseren Hof, dann will ich dir dienen. Aber sei leise, mein Herr hat gute Ohren.« 
Der Wolf war ganz verrückt geworden von all den herrlichen Speisen, die der kleine Schlauberger ihm vorgesponnen hatte. Er ging auf den Vorschlag des Hündchens ein und liess es laufen. 

In der folgenden Nacht schlich er behutsam auf den Hof, um ein Festmahl zu halten. Der kleine Hund lag auf einem Vordach und rief: »Willkommen, lieber Wolf! Ich freue mich, dass du meine Einladung angenommen hast. Warte einen Augenblick, ich will meinem Herrn sofort Bescheid geben, damit er kommt und dich festlich bewirtet.« Und er bellte aus Leibeskräften. 

Sofort schlugen auch die Wachhunde an, und der Herr stürmte bald darauf aus dem Haus, um die Hunde loszulassen. Aber der Wolf war schon laut schimpfend geflüchtet. 



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