Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Der Fuchs und das Pferd

Art: Fabel
AutorIn: Brüder Grimm
Land: Deutschland
Sprecher: Tom Keymer

Ein Bauer hatte ein treues Pferd. Es war alt geworden und konnte keine Dienste mehr tun. Da wollte ihm sein Herr nichts mehr zu fressen geben und sprach: »Brauchen kann ich dich nicht mehr! Aber ich mein es gut mit dir. Zeigst du dich noch so stark, dass du mir einen Löwen hierher bringst, so will ich dich behalten. Jetzt aber mach dich fort aus meinem Stall!«
Und damit jagte er es ins weite Feld.

Das Pferd war traurig und ging in den Wald, um dort ein wenig Schutz vor dem Wetter zu suchen. Da begegnete ihm der Fuchs und sprach: »Was lässt du so den Kopf hängen und gehst so einsam herum?« »Ach,« antwortete das Pferd, »Geiz und Treue wohnen nicht beisammen in einem Haus. Mein Herr hat vergessen, dass ich ihm so viele Jahre gute Dienste geleistet habe. Weil ich jetzt alt bin und nicht recht mehr ackern kann, will er mir kein Futter mehr geben. Er hat mich fortgejagt.«
»Ohne allen Trost?« fragte der Fuchs. »Der Trost war schlecht, er hat gesagt, wenn ich noch so stark wäre, dass ich ihm einen Löwen brächte, wolle er mich behalten. Aber er weiss wohl, dass ich das nicht vermag.«

Der Fuchs sprach: »Da will ich dir helfen! Leg dich nur hin, strecke dich aus und rege dich nicht, als wärst du tot.« Das Pferd tat, was der Fuchs verlangte. Der Fuchs aber ging zum Löwen, der seine Höhle nicht weit davon hatte, und sprach: »Da draussen liegt ein totes Pferd. Komm doch mit hinaus, da kannst du eine fette Mahlzeit halten.«

Der Löwe ging mit. Als sie bei dem Pferd standen, sprach der Fuchs: »Hier hast du’s doch nicht gemütlich. Weisst du was? Ich will das Pferd mit dem Schweif an dich binden. Dann kannst du es in deine Höhle ziehen und in aller Ruhe verzehren.«

Dem Löwen gefiel der Rat. Er stellte sich hin, und damit ihm der Fuchs das Pferd festknüpfen könnte, hielt er ganz still. Der Fuchs aber band mit des Pferdes Schweif dem Löwen die Beine zusammen und drehte und schnürte alles so wohl und stark, dass es mit keiner Kraft zu zerreissen war.

Als er nun sein Werk vollendet hatte, klopfte er dem Pferd auf die Schulter und sprach: »Zieh, Schimmel, zieh!« Da sprang das Pferd mit einmal auf und zog den Löwen mit sich fort. Der Löwe fing an zu brüllen, dass die Vögel im ganzen Wald vor Schrecken aufflogen. Aber das Pferd liess ihn brüllen, zog und schleppte ihn über das Feld vor seines Herrn Tür.

Wie der Herr das sah, besann er sich eines Bessern und sprach zu dem Pferd: »Du sollst bei mir bleiben und es gut haben,« und gab ihm viel zu fressen, bis es starb.
 



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