Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

...zurück zur Übersicht

Text-Erklärungen sind anaus
alle Erklärungen anzeigenFragen zur Geschichte beantwortenGeschichte hören und mitlesenGeschichte und Fragen als PDF downloaden

Peter und der Wolf

Art: Märchen
AutorIn: Sergei Prokofjew
Land: Russland
Sprecher: Tom Keymer


Das ist ein Musik-Märchen. Alle Mitspieler werden durch ein Instrument dargestellt und haben eine eigene Melodie (klicke auf die Instrumente!).

      
Eines Morgens öffnete Peter das Gartentor und lief hinaus auf die grosse, grüne Wiese. Auf einem Baum sass Peters Freund, ein kleiner Vogel: »Wie still es hier ist«, zwitscherte er fröhlich. Aus dem Gebüsch am Zaun watschelte eine Ente hervor. Sie freute sich, dass Peter das Gartentor offengelassen hatte, denn nun konnte sie draussen auf dem tiefen Teich ein wenig umher-schwimmen.

Als der kleine Vogel die Ente sah, flog er zu ihr ins Gras hinunter, setzte sich vor sie hin und plusterte sich auf. »Was bist du denn für ein Vogel, wenn du nicht fliegen kannst?« »Und was bist du für ein Vogel, wenn du nicht schwimmen kannst?« erwiderte die Ente und stieg ins Wasser. So stritten sie noch eine Weile miteinander. Die Ente schwamm auf dem Teich, und der kleine Vogel hüpfte am Ufer hin und her.

Plötzlich entdeckte Peter etwas: Da schlich doch die Katze durchs Gras heran! Die Katze dachte: »Der Vogel streitet sich herum und passt nicht auf. Da kann ich ihn vielleicht erwischen!« Und lautlos schlich sie auf ihn zu. »Pass auf!«, rief Peter, und sogleich flog der Vogel auf den Baum. Die Ente quakte die Katze von der Mitte des Teiches her böse an. Die Katze schlich um den Baum herum und dachte: »Lohnt es sich, so hoch hinaufzuklettern? Wenn ich oben bin, ist der Vogel längst weg.«

Der Grossvater kam aus dem Haus. Er war ärgerlich, weil Peter allein auf die Wiese gelaufen war und das Gartentor offengelassen hatte. »Das ist gefährlich!«, sagte er, »wenn nun der Wolf aus dem Wald kommt, was dann?« Peter hörte gar nicht auf die Worte des Grossvaters. Jungen wie er haben doch keine Angst vor dem Wolf! Der Grossvater aber nahm Peter bei der Hand, ging mit ihm in den Garten zurück und machte das Tor fest zu.

Und tatsächlich: Kaum war Peter fort, da kam er aus dem Wald: der grosse, graue Wolf. Im Nu kletterte die Katze auf den Baum. Die Ente schnatterte, sprang in ihrer Aufregung aus dem Wasser und versuchte wegzurennen. Doch wie sehr sie sich auch anstrengte, der Wolf war viel, viel schneller. Er kam näher und näher — erreichte sie — packte sie und verschlang sie mit einem einzigen Bissen.

Da sassen sie nun: Die Katze auf dem einen Ast des Baumes, der Vogel auf einem anderen, nicht zu nahe bei der Katze. Der Wolf lief lauernd um den Baum herum und starrte mit gierigen Blicken nach oben. Peter stand hinter dem geschlossenen Gartentor, beobachtete alles, was da geschah und hatte überhaupt keine Angst. Er lief ins Haus, holte ein starkes Seil und kletterte damit auf die Gartenmauer. Ein Ast des Baumes, unter dem der Wolf lauerte, reichte bis über die Mauer.

Peter ergriff den Ast und kletterte so zum Baum hinüber. »Flieg zum Wolf hinunter«, sagte er zu dem kleinen Vogel, »und immer nah an seinem Kopf vorbei — aber pass auf, dass er dich nicht erwischt!«

Mit den Flügeln berührte der Vogel fast die Nase des Wolfes, während dieser wütend nach ihm schnappte. Wie der kleine Vogel den Wolf ärgerte, und wie dieser versuchte, ihn zu fangen! Aber der kleine Vogel war viel zu geschickt, und so schnappte der Wolf immer wieder ins Leere.

Inzwischen hatte Peter eine Schlinge in das Seil gemacht und liess sie vorsichtig vom Baum hinunter. Er fing den Wolf am Schwanz und zog die Schlinge zu. Als der Wolf merkte, dass er gefangen war, sprang er wild umher und versuchte, sich loszureissen. Aber Peter hatte das andere Ende des Seils am Baum festgemacht. Und je wilder der Wolf umhersprang, umso fester zog sich die Schlinge zu.

In diesem Augenblick kamen die Jäger aus dem Wald. Sie waren dem Wolf auf der Spur. Als sie ihm nahe genug gekommen waren, schossen sie mit ihren Gewehren auf ihn. Doch Peter rief vom Baum herab: »Hört auf zu schiessen! Der kleine Vogel und ich, wir haben den Wolf doch längst gefangen! Helft uns, ihn in den Zoo zu bringen!«

Und nun stellt euch den Triumphzug vor: Peter vorneweg, hinter ihm die Jäger mit dem grossen, grauen Wolf, und am Schluss des Zuges der Grossvater und die Katze. Der Grossvater schüttelte den Kopf: »Wenn aber Peter den Wolf nun nicht gefangen hätte — was dann!«

Über ihnen flog der kleine Vogel und zwitscherte: »Wie tapfer wir waren, der Peter und ich, seht, wen wir beide gefangen haben!« Und wenn man genau hinhorchte, konnte man die Ente im Bauch des Wolfes quaken hören. Denn dieser hatte sie in seiner Gier lebendig herunter geschlungen.



...nach oben