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Die Hochzeit des Hahns

Art: Märchen
AutorIn: J. W. Wolf
Land: Deutschland
Sprecher: Tom Keymer

Fabel mit ähnlichem Inhalt: Der Fuchs und die Gänse 

Einmal hielt der Hahn Hochzeit mit dem Huhn. Er hatte viele Gäste dazu eingeladen, alle Hühner von nah und fern. Als das Gastmahl vorüber war, führten die jungen Eheleute ihre Gäste in ihre Gärten und Wälder, und der Hahn sprach stolz: »Das alles gehört mir.« Gretchen, das Huhn aber sagte: »Wir sind junge Anfänger, und der Winter droht hart zu werden. Darum könntet ihr alle uns helfen, Eicheln zu suchen, damit wir einen kleinen Vorrat bekommen.«

Als sie nun so dahingingen und sammelten, kam plötzlich aus der Ferne der Fuchs geschlichen. Alle Hühner wurden ängstlich und drängten sich um den Hahn. Der sprach: »Gretchen, geh du doch nach Hause und sorge fürs Abendessen, ihr andern aber seid unbesorgt!«

Da ging Gretchen. Aber kaum war sie aus dem Wald, schoss ein Adler nieder. Er packte die junge Frau und trug sie mit sich, ohne dass eines von den andern Hühnern etwas davon ahnte.

Unterdessen kam der Fuchs den andern immer näher. Die Hühner schlichen weg, eins hierhin, eins dorthin, bis zuletzt der Hahn ganz allein stand. Dem erlaubte es nämlich sein Stolz nicht, so feige davon zu gehen. Als der Fuchs ihm ganz nahe war, schnappte er nach dem Hahn, fasste ihn an den Flügeln und lief mit ihm vor seine Höhle.

Da rief der Hahn: »Wie kannst du dich unterstehen, einen ehrlichen Mann so gewaltsam von seinem Eigentum wegzuschleppen? Was willst du von mir?« »Ich will dich fressen,« sprach der Fuchs, »darum mach dich zum Tode bereit, aber kurz, denn ich habe Hunger.«

»Mich fressen, und ohne dass du zuvor betest?« fragte der Hahn. »Da sind wir doch frömmer als du. Sieh nur wie die Hühner gackern, wenn sie ein Körnchen Essen finden, und wie sie die Köpfe so fromm heben, wenn sie trinken.«

»Wie soll ich denn beten?« fragte der Fuchs. Da breitete der Hahn die Flügel auseinander, stellte die Beine dicht beisammen, bückte den Kopf und drückte die Augen zu. »So macht man das«, sprach er. »Lehre es mich, dann lasse ich dich noch so lange leben«, sagte der Fuchs.

Der Hahn drückte die Beine des Fuchses zusammen, drückte seinen Schwanz gegen die Erde, den Kopf nieder, bis die Schnauze den Boden berührte und sagte: »Jetzt sprich mir nach: A B C und ....,« da flog der Hahn auf einen Baum und rief »D, jetzt bin ich in der Höh«.

Der Fuchs merkte jetzt, dass er geprellt war. Und wenn auch alle Tiere beten, bevor sie fressen, der Fuchs tut’s nicht.

Der gute Hahn fand sein Gretchen natürlich nicht, als er nach Hause kam. Er glaubte, sie habe sich verirrt. Und das glaubt er noch heute, darum ruft er jeden Morgen allen Vögeln bei Tagesanbruch schon zu: »Grüss mir die Gret!«



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