Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Hänsel und Gretel

Art: Märchen
AutorIn: Brüder Grimm
Land: Deutschland
Sprecher: Tom Keymer

Vor einem grossen Walde wohnte einmal ein armer Holzhacker mit seiner zweiten Frau und seinen zwei Kindern. Die Frau war also die Stiefmutter. Sie waren so arm, dass sie oft nichts zu essen hatten. An einem Abend wusste sich der Vater vor lauter Sorgen nicht mehr zu helfen. Da sagte seine Frau zu ihm: »Morgen früh, wenn wir in den Wald gehen, um Holz zu hacken, nehmen wir die Kinder mit. Dann lassen wir sie dort zurück. Vielleicht finden sie da ihr Durchkommen.«

Der Mann wollte zwar nicht, aber die Frau liess ihm keine Ruhe, bis er endlich einwilligte. Die Kinder aber, die vor Hunger nicht schlafen konnten, hatten alles mit angehört. Als die Eltern endlich schlafen gegangen waren, schlich Hänsel sich zum Haus hinaus und füllte seine Rocktäschlein mit weissen Kieselsteinchen. Am nächsten Morgen gingen sie alle in den Wald hinaus. Hänsel aber blieb immer ein wenig zurück und warf immer wieder ein weisses Steinchen auf den Weg. Als sie mitten im Wald waren, sagte der Vater: »Ruht euch jetzt aus, Kinder, während Mutter und ich Holz schlagen gehen. Später holen wir euch wieder ab.«

Hänsel und Gretel schliefen vor Müdigkeit ein. Als sie endlich erwachten, war es finstere Nacht. Doch die von Hänsel ausgestreuten Kieselsteinchen schimmerten im Mondlicht und wiesen ihnen den Weg nach Hause. Und obwohl es nichts zu essen gab, war der Vater doch froh, seine Kinder wiederzuhaben.

Als aber eines Tages die Not wieder ganz gross war, entschlossen sich die Eltern schweren Herzens, die Kinder noch einmal in den Wald zu führen. Hänsel hatte wieder alles gehört. Als er jedoch diesmal Kieselsteine sammeln wollte, war die Tür abgeschlossen, und er konnte nicht hinaus.

Als sie am nächsten Morgen wieder alle zusammen in den Wald hineingingen, streute Hänsel Stückchen von seinem Frühstücksbrot auf den Weg. Die sollten ihnen am Abend den Weg nach Hause weisen. Die Eltern führten die Kinder diesmal so tief in den Wald hinein, wie sie noch nie gewesen waren. Wieder hiessen sie die Kinder schlafen. Als diese mitten in der Nacht erwachten, da suchten sie im Mondschein nach den Brotbröcklein. Aber die Vögel hatten sie längst aufgepickt.

Lange irrten die Kinder nun im Walde umher, bis sie schliesslich an ein Häuschen aus Brot und Kuchen kamen. Und weil sie so hungrig waren, brachen sie sich jeder ein Stückchen vom Dach ab. Da rief aus dem Haus eine feine Stimme: »Knusper, knusper Kneischen, wer knuspert an meinem Häuschen?« Die Kinder antworteten erschrocken: »Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!« Plötzlich ging die Türe auf, und eine steinalte Frau kam heraus. Die lud sie freundlich in ihr Haus ein, gab ihnen gutes Essen und liess sie in zwei weichen Bettlein schlafen. Doch sie stellte sich nur so freundlich — in Wirklichkeit war sie eine böse Hexe!

Am nächsten Morgen sperrte sie den armen Hänsel in einen kleinen Stall, denn sie wollte ihn mästen und später essen. Gretel aber musste alle Arbeit im Haus tun. Jeden Morgen schlich die Alte zum Stall und liess Hänsel sein Fingerchen herausstrecken, um zu fühlen, ob er wohl schon fett genug sei. Aber Hänsel streckte ihr statt des Fingers jedesmal ein Knöchlein heraus, und so sehr sich die Hexe auch wunderte, Hänsel blieb mager!

Da wollte sie eines Tages nicht mehr länger warten. Sie heizte den Backofen an. Als es darin so richtig knisterte und knackte, befahl sie Gretel, hineinzukriechen und nachzusehen, ob der Ofen genügend heiss sei. Dann wollte sie schnell die Tür zumachen und Gretel als erste braten.

Gretel merkte aber, was die Alte vorhatte und sagte: »Ich weiss nicht, wie ich’s machen soll. Kannst du es mir nicht zeigen?« Schimpfend kroch die Hexe in den Ofen. Da gab ihr Gretel schnell noch einen Stoss und machte die Ofentür zu. So musste die gottlose Hexe elendiglich verbrennen.

Gretel aber liess Hänsel aus dem Ställchen und rief: »Die Hexe ist tot!« Von den Edelsteinen, die sie in Truhen und Kisten fanden, nahmen sie mit, was sie tragen konnten. Dann machten sie sich auf den Heimweg. Endlich kamen sie an einen grossen Fluss ohne Steg und Brücke. Da schwamm eine freundliche Ente heran und setzte beide über zum andern Ufer. Und als sie weitergingen, kam ihnen der Wald immer bekannter vor. Endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus. Da fingen sie an zu laufen, stürzten in die Stube und fielen ihrem Vater um den Hals.

Der Mann hatte keine frohe Stunde mehr gehabt, seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte. Die Frau aber war inzwischen gestorben. Hänsel und Gretel leerten ihre Schätze aus. Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.



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