Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Der gestiefelte Kater

Art: Märchen
AutorIn: Brüder Grimm
Land: Deutschland
Sprecher: Tom Keymer

Ein Müller vermachte, als er starb, seinem ältesten Sohn die Mühle, dem Zweiten den Esel, dem Jüngsten aber nur den Mühlenkater. Der jüngste Müllerssohn war enttäuscht: Was sollte er mit einem Kater, der nur Mäuse fangen konnte?

Doch der Kater begann plötzlich zu sprechen: »Wenn du mir ein Paar Stiefel machen lässt, soll dir geholfen werden.« Der Müllerssohn verwunder-te sich zwar, dass sein Kater sprechen konnte, liess ihm aber doch ein Paar Stiefel machen. Als sie fertig waren, zog der Kater sie an. Dann nahm er einen Sack, machte den Boden desselben voll Korn, zog oben eine Schnur durch, damit man ihn zuziehen konnte, und ging wie ein Mensch auf zwei Beinen davon.

Damals regierte ein König, der ass fürs Leben gern Rebhühner. Er bekam diese Leibspeise aber nur selten zu sehen, weil die Tiere scheu und schwer zu fangen waren. Der schlaue Kater lockte die Rebhühner mit einer Körner-spur in den Sack, zog ihn dann schnell zu und ging zum königlichen Schloss.

Erst nach vielem Bitten liess man den Kater ein. »Mein Herr, der Graf, lässt sich dem König empfehlen und schickt ihm diese Rebhühner«, sprach der Kater, als er vor dem König stand. Der freute sich und liess ihm den Kornsack voll Gold füllen. »Bringe das deinem Herrn als Dank für sein Geschenk«, sagte er.

Der arme Müllerssohn traute seinen Augen nicht, als der Kater das Gold vor ihm ausschüttete und alles erzählte. Von da an ging der Kater jeden Tag auf die Jagd nach Rebhühnern. Die Beute brachte er immer dem König. So wurde der Müllerssohn immer reicher.

Eines Tages erfuhr der Kater, dass der König mit seiner Tochter am See entlang spazierenfahren wolle. Da sagte er zu seinem Herrn »Wenn du ein Graf werden willst, so komm mit mir hinaus an den See und nimm ein Bad.«

Der Müllerssohn wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Doch dann hörte er auf seinen Kater. Er zog sich splitternackt aus und sprang in den See. Der Kater aber trug seine Kleider fort und versteckte sie. Da kam auch schon die Kutsche des Königs dahergefahren. Der Kater fing sogleich erbärmlich zu jammern an: »Hilfe! Hilfe! Diebe! Man hat meinen Herrn bestohlen!«

Als der König hörte, dass man dem ’Herrn Grafen’ die Kleider gestohlen hatte, musste ein Diener zum Schloss zurücklaufen und einige von den Kleidern des Königs holen. Der Herr Graf musste die prächtigen Kleider anziehen und sich zum König und seiner Tochter in die Kutsche setzen.

Die Prinzessin war auch nicht böse darüber, denn der Graf war jung und schön, und er gefiel ihr recht gut. Der Kater aber lief voraus und kam zu einer grossen Wiese, wo über hundert Leute arbeiteten. »Wem gehört die Wiese, ihr Leute?« fragte er. »Dem grossen Zauberer!«

»Hört, jetzt wird gleich der König vorbeifahren. Wenn er fragt,  wem die Wiese gehört, so antwortet: Dem Grafen. Und wenn ihr das nicht tut, so werdet ihr alle totgeschlagen!« Darauf eilte der Kater weiter und kam an ein Kornfeld, so gross, dass niemand es übersehen konnte, da standen mehr als zweihundert Leute und schnitten Korn. Auch hier wies er die Leute an zu sagen, das Feld gehöre dem Grafen.

Endlich kam der Kater an einen prächtigen Wald, da standen mehr als dreihundert Leute, fällten die grossen Eichen und machten Holz. Auch der Wald gehörte dem Zauberer. Der Kater befahl aber den Leuten zu sagen, er gehöre dem Grafen. Die Leute fürchteten sich vor ihm, weil er in Stiefeln daherging wie ein Mensch.

Bald kam der Kater zum Schloss des Zauberers. Keck trat er vor ihn hin und sagte: »Ich habe gehört, dass du dich in jedes Tier verwandeln kannst. Solange es ein Hund oder ein Fuchs ist, will ich’s wohl glauben, aber in einen Elefanten, das scheint mir ganz unmöglich!« Der Zauberer sagte stolz: »Das ist mir eine Kleinigkeit«, und war in dem Augen-blick in einen Elefanten verwandelt.

Der Kater stellte sich erschrocken und rief: »Das ist unglaublich, aber kannst du dich auch in eine klitzekleine Maus verwandeln?« Geschmeichelt sagte der Zauberer: »O ja, liebes Kätzchen, das kann ich auch«, und sprang als eine Maus im Zimmer herum. Der Kater fing die Maus mit einem Sprung und frass sie auf.

Der König aber war mit der Prinzessin und dem Grafen zu der grossen Wiese gekommen. »Wem gehört das Heu?« fragte der König. »Dem Grafen!« riefen alle. Danach kamen sie an das grosse Kornfeld. »Wem gehört das Korn, ihr Leute?« »Dem Herrn Grafen.« Der König wunderte sich und sagte: »Ihr müsst ein reicher Mann sein!« Beim grossen Wald fragte er: »Wem gehört das Holz, ihr Leute!« »Dem Herrn Grafen!« Da wunderte sich der König noch mehr.

Endlich kamen sie an das Schloss. Der Kater stand oben an der Treppe und sagte: »Herr König, herzlich willkommen im Schloss meines Herrn, des Grafen, den diese Ehre für sein Lebtag glücklich machen wird.« Der König stieg aus und wunderte sich über das prächtige Gebäude, das fast grösser und schöner war als sein Schloss. Der Graf aber führte die Prinzessin die Treppe hinauf in den Saal, der ganz von Gold und Edelsteinen flimmerte.

Da feierten sie die Hochzeit zwischen der Prinzessin und dem Grafen. Als der König starb, wurde er König, der gestiefelte Kater aber erster Minister.



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