Rumpelstilzli.li - E-Learning für die ersten 3 Schuljahre

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Der Wolf und der Fuchs (1)

Art: Fabel
AutorIn: Brüder Grimm
Land: Deutschland
Sprecher: Tom Keymer

Der Wolf hatte den Fuchs bei sich. Was der Wolf wollte, das musste der Fuchs tun, weil er der Schwächere war. Der Fuchs wäre den Wolf gerne losgeworden.

Einmal gingen beide durch den Wald. Da sprach der Wolf:
»Rotfuchs, schaff mir etwas zu fressen, oder ich fresse dich selber auf!«
Da antwortete der Fuchs: »Ich kenne einen Bauernhof, wo ein paar junge Lämmlein sind. Wenn du Lust hast, so wollen wir eins holen.« Dem Wolf war das recht. Sie gingen hin, und der Fuchs stahl das Lämmlein. Dann brachte er es dem Wolf und machte sich fort. Da frass der Wolf das Lämmlein auf. Er war aber damit noch nicht zufrieden, sondern wollte das andere dazu haben. Er ging, um es zu holen.

Weil er es aber so ungeschickt machte, wurde die Mutter vom Lämmlein aufmerksam und fing an, entsetzlich zu schreien und zu blöken, so dass die Bauern herbeigelaufen kamen. Da fanden sie den Wolf und schlugen ihn so erbärmlich, dass er hinkend und heulend beim Fuchs ankam.

»Du hast mich schön angeführt«, sprach er, »ich wollte das andere Lamm holen, da haben mich die Bauern erwischt und haben mich weich geschlagen.« Der Fuchs antwortete: »Warum bist du so ein Nimmersatt!«

Am andern Tag gingen sie wieder ins Feld. Da sagte der gierige Wolf abermals:
»Rotfuchs, schaff mir etwas zu fressen, oder ich fresse dich selber auf!«

Da antwortete der Fuchs: »Ich kenne ein Bauernhaus, da bäckt die Frau heute Abend Pfannkuchen. Wir wollen uns welche davon holen.« Sie gingen hin. Der Fuchs schlich ums Haus herum, guckte und schnupperte so lange, bis er ausfindig machte, wo die Schüssel stand. Dann zog er sechs Pfannkuchen herab und brachte sie dem Wolf. »Da hast du zu fressen«, sprach er zu ihm und ging seiner Wege.

Der Wolf hatte die Pfannkuchen in einem Augenblick hinuntergeschluckt und sprach: »Sie schmecken nach mehr!« Er ging hin und riss gradezu die ganze Schüssel herunter, so dass sie in Stücke zersprang. Da gab’s einen gewaltigen Lärm. Die Frau kam heraus. Als sie den Wolf sah, rief sie die Leute. Die eilten herbei und schlugen ihn so fest, dass er mit zwei lahmen Beinen laut heulend zum Fuchs in den Wald hinauskam. »Was hast du mich böse angeführt!«, rief er, »die Bauern haben mich erwischt und mich zünftig geschlagen!« Der Fuchs aber antwortete: »Warum bist du so ein Nimmersatt!«

Am dritten Tag, als sie zusammen draussen waren und der Wolf mit Mühe nur forthinkte, sprach er doch wieder:
»Rotfuchs, schaff mir etwas zu fressen, oder ich fresse dich selber auf!«

Der Fuchs antwortete: »Ich kenne einen Mann, der hat geschlachtet. Das gesalzene Fleisch liegt in einem Fass im Keller. Das wollen wir holen.« Da sagte der Wolf: »Aber ich will gleich mitgehen, damit du mir hilfst, wenn ich nicht fortkann.« »Meinetwegen«, sprach der Fuchs, und zeigte ihm die Schliche und Wege, auf welchen sie endlich in den Keller gelangten. Da war nun Fleisch im Überfluss, und der Wolf machte sich gleich daran.

Der Fuchs liess sich’s auch gut schmecken, blickte überall herum, lief aber oft zu dem Loch, durch welches sie gekommen waren. Er versuchte, ob sein Leib noch schmal genug wäre, um durchzuschlüpfen. Da sprach der Wolf: »Lieber Fuchs, sag mir, warum rennst du so hin und her und springst hinaus und herein?« »Ich muss doch sehen, ob niemand kommt«, antwortete der Listige, »friss nur nicht zuviel.« Da sagte der Wolf: »Ich gehe nicht fort, bevor das Fass leer ist.«

Jetzt kam der Bauer, der den Lärm von den Fuchs-Sprüngen gehört hatte, in den Keller. Als der Fuchs ihn sah, war er mit einem Satz zum Loch draussen. Der Wolf wollte nach. Aber er hatte sich so dick gefressen, dass er nicht mehr durch konnte, sondern stecken blieb. Da kam der Bauer mit einem Knüppel und schlug ihn tot. Der Fuchs aber sprang in den Wald und war froh, dass er den alten Nimmersatt los war.
 



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